TV- Sendung vom 10.02.2008 (Nr.769)
Gottes Vorsehung und das Gebet
Von Pastor Wolfgang Wegert ©
Predigttext: „Auch darin will ich mich von dem Hause Israel noch erbitten lassen, daß ich es
für sie tue.“ (Hesekiel 36,37)
Wir haben gelernt, daß die Vorsehung Gottes bedeutet, daß Er alle kleinen und großen
Ereignisse auf der Welt vorgesehen und festgelegt hat. Wir haben gesehen, in welcher Weise
auch das Böse zu Gottes Vorsehung mit beitragen muß, wiewohl Gott das Böse verabscheut.
Heute wollen wir nun darüber sprechen, wie das Gebet mit der göttlichen Vorsehung
zusammenhängt. Dabei wird nämlich immer wieder gefragt: Wozu sollen wir beten, wenn
Gott schon alles vorherbestimmt hat. Darauf gibt es mehrere Antworten:
Weil Gebet ein Mittel zur Erfüllung der Vorsehung ist
Zunächst einmal ist es ein absolut falsches Verständnis von Gebet, wenn man glaubt, durch
Gebet müßten wir den Lauf der Welt so ändern, wie Gott es nicht in Seiner Festlegung und
Vorplanung vorgesehen hat. Es kann nicht Sinn des Gebetes sein, etwas erreichen zu wollen,
was nicht in der Absicht Gottes liegt.
Wenn wir einmal einen Streifzug durch die Gebete der Bibel machen, stellen wir fest, daß die
Beter offensichtlich erbaten, was Gott bereits lange vorher beschlossen hatte, so daß man das
Gebet als ein Mittel zur Erfüllung göttlicher Ratschlüsse ansehen kann.
Nehmen wir einmal das Gebet der Hanna
. Sie litt unter ihrer Kinderlosigkeit und den damals
damit verbundenen Demütigungen und erflehte darum im Tempel ein Kind.
Meinen wir wirklich, daß Gott der Hanna nur deshalb einen Sohn schenkte, weil sie als Frau
den natürlichen Wunsch nach einem Kind hatte. Oder steckte mehr dahinter. Natürlich, es
steckte mehr dahinter! Denn aus Gottes Sicht ging es in ihrem Gebet nicht in erster Linie um
einen Kinderwunsch, wie ihn Millionen Frauen haben, sondern um die Erfüllung eines ewigen
Vorsatzes. Hanna betete schlicht um einen Sohn, den Gott von Ewigkeit her gewollt und dazu
bestimmt hatte, Richter und Prophet in Israel zu sein.