TV- Sendung vom 24.02.2008 (Nr.771)
Wozu der Mensch geschaffen ist
Von Pastor Wolfgang Wegert ©
Predigttext: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“
(1. Mose 1,27)
Wir haben eine längere Periode hindurch über das Wesen und den Charakter Gottes
gesprochen – über Seine Allmacht, Seine Allgegenwart und Allwissenheit, über Seine
Unwandelbarkeit und Seine unabhängige Selbstexistenz. Wir haben auch Gottes moralische
Eigenschaften betrachtet wie z. B. Seine Güte und Liebe, aber auch Seine Heiligkeit und
Gerechtigkeit.
Nun wollen wir uns in einer weiteren kleinen Predigtreihe dem Menschen zuwenden und
schauen, was die Bibel über ihn sagt und welches Bild sie von ihm zeichnet. Woher kommt
er. Wie ist er beschaffen, und wozu ist er erschaffen.
Wozu der Mensch erschaffen ist
Daß Gott den Menschen am sechsten Tag Seiner Schöpfung erschaffen hat, bezweifeln
Christen, die an die Irrtumslosigkeit der Heiligen Schrift glauben, nicht. Es fällt ihnen auch
nicht schwer zu akzeptieren, daß es wirklich nur sechs Kalendertage waren, an denen Gott
Sein Werk vollbracht hat. Der Schöpfungsbericht sagt nämlich selbst ganz genau, wie lange
ein Schöpfungstag gedauert hat, jedes Mal heißt es: „Da ward aus Abend und Morgen der
erste (…zweite …dritte …sechste) Tag“ (1. Mose 1,8).
Wie lange dauerte also ein Schöpfungstag. Tausend Jahre lang. Nein, er bestand aus einem
Abend und einem Morgen, aus einem Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. Und das
beschreibt logischerweise 24 Stunden.
Jemand mag einwenden, daß die Erde dann ja nur rund 6.000 bis 10.000 Jahre alt wäre. Das
ist nicht unbedingt gesagt. Wenn es in 1. Mose 1, 1 heißt, daß Gott am Anfang Himmel und
Erde schuf, muß das nicht mit dem ersten Schöpfungstag gleichgesetzt werden. Nein, die
Urschöpfung der Welt kann durchaus Jahrmillionen zurückliegen. Das mag die Periode
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gewesen sein, als die Erde wüst und leer war, wie es Vers 2 schildert. Aber dann, eines Tages,
begann Gott, Ordnung in das Chaos zu bringen, und sprach: „Es werde Licht!“ (1. Mose 1,3).
Erst von da an zählen die Schöpfungstage. Nicht die Erschaffung von Himmel und Erde
bildeten den ersten Tag, sondern die viel spätere Erschaffung des Lichtes und die Einsetzung
von Tag und Nacht machten den ersten Tag aus. Und der ging zu Ende, als aus Abend und
Morgen einer neuer Tag geworden war.
Innerhalb einer solchen Tagesspanne hat der Schöpfer auch den Menschen gemacht. Die Bibel
sagt nicht, daß Er ihn in einer langen Epoche entwickelt hat. Sie sagt auch nicht, daß Gott an
jenem Tag lediglich einen evolutionären Prozeß angestoßen hätte, aus dem sich allmählich der
Mensch herausgebildet hat. Nein, Gottes Wort sagt ausdrücklich, daß Gott den Menschen
erschaffen
hat. Er ist ein Schöpfungswunder, ja, die Krone der Schöpfung! Nach jedem
Arbeitstag Gottes heißt es, daß es gut war, was Er gemacht hatte. Aber nach dem sechsten Tag
lesen wir: „Und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1,31).
Kein Wunder, daß wir staunen, wenn wir uns selbst – das Wunderwerk Mensch – betrachten.
Und dann rufen wir mit David überwältigt aus: „Ich danke dir dafür, daß ich wunderbar
gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele“ (Psalm 139,14).
Danke Gott dafür, daß Er dich individuell wunderbar gemacht hat! Du bist kein anonymes
Wesen, ein Staubkorn, das durchs Universum gewirbelt wurde und aus dem nach langen
Perioden, die niemand rechnen kann, durch zufällige Ereignisse dann du entstanden bist.
Nein, die Bibel sagt, daß Gott dich geschaffen hat! In Psalm 8 heißt es deshalb: „Du hast ihn
wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt“ (V.5-6).
Der Mensch ist eine geniale Erfindung Gottes und ein Krönungswerk Seiner unvergleichlich
herrlichen Schöpfung!
Daraus ergibt sich eine wichtige Frage: Warum hat Gott den Menschen überhaupt gemacht.
Die entscheidende Antwort ist: Er hat ihn zu Seiner Ehre und Verherrlichung gemacht. Das ist
der wesentliche Grund, warum wir da sind. Wir sind zum Lobe Seines herrlichen Namens
geschaffen.
Gott hat uns nicht um unseretwillen geschaffen und auch nicht, weil Er uns brauchte. Wir
haben bei dem Thema der „Selbstexistenz Gottes“ gelernt, daß Gott aus sich selbst heraus
ohne Anfang und Ende existiert. Er ist absolut unabhängig und braucht nichts und niemand.
Alles, was Er nötig hat, ist in Ihm selbst. Alle Fülle wohnt in Ihm. Die Bibel sagt: „Gott, der
die Welt gemacht hat und alles, was darin ist, …läßt sich nicht von Menschenhänden dienen,
wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles
gibt“ (Apostelgeschichte 17,24-25).
Manchmal kursiert die Idee, Gott habe Menschen gemacht, weil Er so allein und einsam
gewesen wäre und uns Menschen brauchte zu Seinem vollkommenen Glück. Ein solcher
Gedanke wäre aber eine völlige Fehlinterpretation und eine Mißachtung des gesamten
Offenbarungskonzeptes der Bibel, wenn wir uns einbilden, Gott bräuchte uns. Er braucht
niemanden.
Denn das würde ja bedeuten, daß Er an etwas Mangel gehabt hätte – das hat Er in Seiner
absoluten Vollkommenheit aber nicht. Denken wir nur an das Gebet Jesu, in dem es heißt:
„Vater, verherrliche du mich bei dir mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt
war“ (Johannes 17,5). Die Trinität Gottes ist nicht einsam. In ihr gab es schon immer
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Gemeinschaft, Liebe und vollkommene Harmonie. Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist hat
alles, was Er braucht, in sich selber.
Und dennoch gibt die Bibel einen Grund an, warum Gott uns Menschen gemacht hat: Er tat es
zu Seiner Ehre. Ein Maler kreiert ein wunderbares Bild. Er braucht das Bild nicht, aber er hat
seine Freude daran. Und aus freien Stücken, ja man kann fast sagen: aus Lust an den
Menschenkindern, in völliger Unabhängigkeit, schafft Gott Menschen. Und so, wie ein
Gemälde den Maler ehrt und eine Skulptur den Bildhauer preist, so ist die Menschheit aus
Gottes Hand gekommen als ein Ausdruck Seiner herrlichen, kreativen, machtvollen, ewigen
Schöpferkraft – ein Beweis Seiner Herrlichkeit.
Im Buch Jesaja spricht der Herr über Seine Söhne und Töchter von den Enden der Erde und
ruft: „Die ich zu meiner Ehre geschaffen und zubereitet und gemacht habe“ (Jesaja 43,7).
Analog dazu schreibt Paulus: „Daß wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit“ (Epheser
1,11). Ja, die Bibel fordert uns mit den Worten auf: „Was ihr auch tut, das tut alles zu Gottes
Ehre“ (1. Korinther 10,31).
Gottes Absicht mit uns war von Anfang an, daß wir Sein Ruhm sind. Das garantiert uns, daß
unser Leben Bedeutung hat. Wir könnten fälschlicherweise von der Tatsache, daß Gott uns
nicht braucht, ableiten, daß wir Menschen für Ihn bedeutungslos wären. Aber auch wenn Er
uns nicht braucht, sind wir Ihm nicht egal, sondern Er nimmt uns äußerst wichtig und hat uns
einen überragenden Lebenssinn gegeben. Du und ich sind bedeutungsvoll für Gott! Wir laufen
hier nicht als Zufallsprodukt der Evolution herum, sondern wir sind vom Herrn und Schöpfer
aller Dinge zu einem bestimmten Zweck gemacht – daß nämlich unser Leben Ihn lobt und
verherrlicht!
Wie man zur Ehre Gottes lebt
Was heißt das nun, zur Ehre Gottes leben. Ist das sehr anstrengend. Nein, im Gegenteil, es ist
Freude. Ein Leben im Widerspruch zum Schöpfer ist ein schweres Leben. Wir sehen doch
jeden Tag, wie die Sünde Menschen verstrickt, ihren Charakter verdirbt, ihre Beziehungen
zerrüttet und Sinnlosigkeit ihr Dasein bestimmt. Woher kommt die innere Leere der
Menschen. Warum sind sie so unglücklich. Warum zerstören sich viele sogar selbst. Weil
sie ihre herrliche Bestimmung und ihr wahres Glück nicht kennen.
Wenn Tiere leiden, dann sagt man gern, daß sie nicht „artgerecht“ gehalten werden. Und wenn
Menschen leiden, liegt das daran, daß sie nicht artgerecht leben – und zwar nicht nach ihrer
Natur, wie Gott sie geschaffen hat, nämlich zu Ihm hin. Da liegt die Wurzel des Unglücks,
unserer Kaputtheit, unserer Qual und unseres Elends.
Wenn wir aber artgerecht leben und unserer ewigen Bestimmung entsprechen, dann haben wir
eine tiefe innere Erfüllung. Zur Ehre Gottes leben ist nämlich keine Last, sondern tiefe
Beglückung. Darum lesen wir: „Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die
Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich“ (Psalm 16,11). Ein Leben für Gott ist also
Hochgenuß. Deshalb hat Jesus gesagt: „Ich bin gekommen, damit sie Leben haben und es im
Überfluß haben“ (Johannes 10,10).
Jetzt stellt sich natürlich die Frage: Wie kannst du zu dieser Freude in Fülle und zu dem
Leben im Überfluß kommen. Du darfst dich von deinem von Gott abgewandten Leben
bekehren und Christus um Vergebung bitten. Er schenkt dir ein neues Herz, eine neue Natur,
die auf den lebendigen Gott und Seinen Sohn Jesus Christus ausgerichtet ist. Und dann wird
es dir eine Freude sein, zur Ehre des Allmächtigen zu leben!
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Denn worin besteht im wesentlichen ein Leben zur Verherrlichung Christi und Gottes. Es
besteht als erstes darin, daß wir uns an Ihm erfreuen
. Gott hat uns nicht erschaffen, um Seine
gequälten Sklaven zu sein, sondern Er hat uns gemacht, damit wir uns an der Herrlichkeit
Seines Charakters erfreuen und Seine heilige Gegenwart und Gemeinschaft genießen. Er
selbst, Sein Wort und Sein Gesetz werden unsere Lust und Wonne sein. Das heißt mit anderen
Worten: Ein Mensch, der seine Freude an Gott hat und dessen wahres Glück der Allmächtige
ist, der lebt zur Ehre Gottes. Darum sagt die Bibel: „Die Freude am HERRN ist eure Stärke“
(Nehemia 8,10). Das ist das Markenzeichen eines wahren Gläubigen. Sein Herz jubelt und
freut sich in dem Gott seines Heils. Darum ruft Paulus: „Freuet euch im Herrn allezeit; und
abermals sage ich: Freuet euch!“ (Philipper 4,4).
Ein Leben zum Ruhme Gottes heißt also zuallererst, sich an Ihm zu erfreuen. Wir ehren und
preisen Ihn am allermeisten, wenn Er unser wahres Glück ist und wir an Ihm, unserem Herrn
und Erlöser, ganz und gar genug haben, wenn Er allein unser Gott ist und außer Ihm kein
anderer mehr in unserem Leben ist. Wir loben und erheben Ihn, wenn wir mit Asaph rufen:
„Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde. Wenn mir gleich Leib
und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil“
(Psalm 73,25-26).
Unsere Ausgangsfrage war, warum Gott Menschen erschaffen hat. Die Antwort lautet: Damit
sie sich an Ihm erfreuen und in Ihm tiefe Erfüllung und wahres Glück finden. Wenn das
geschieht, gereicht es Ihm zur Ehre und zum ewigen Ruhm, und der Zweck des Menschen ist
erfüllt.
John Piper hat das in seinem Buch „Sehnsucht nach Gott“ so ausgedrückt: „Des Menschen
Hauptziel ist es, Gott zu verherrlichen und sich für immer an Ihm zu erfreuen.“ Jawohl, unsere
Verheißung ist: „Ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude“
(1. Petrus 1,8). Die wünsche ich dir in dieser Zeit und in Ewigkeit. Amen!