TV- Sendung vom 02.03.2008 (Nr.772)
Zum Bilde Gottes schuf Er ihn
Von Pastor Wolfgang Wegert ©
Predigttext: „Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn.“
(1. Mose 1,27)
Was mit dem Ebenbild Gottes gemeint ist
Wir haben die Frage erörtert, wozu Gott den Menschen gemacht hat, zu welchem Zweck und
Ziel. Nun wollen wir darüber sprechen, mit welcher Beschaffenheit Gott den Mensch erschuf.
Wir haben ja gelesen, daß Er ihn nach Seinem eigenen göttlichen Bild geschaffen hat. Was ist
damit gemeint. Es bedeutet, daß er Ihm ähnlich ist. In 1. Mose 1, 26 heißt es wörtlich: „Und
Gott sprach: Laßt uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich
!“ – also nicht identisch,
sondern ähnlich. Wir sind nicht mit Gott gleich, aber wir sind ein Gleichnis von Ihm. Wir sind
nicht Gott, aber wir sind eine Ablichtung von Ihm. Wir spiegeln Ihn wider, wir reflektieren
Ihn und Sein Wesen und Seine Herrlichkeit.
In welchen Bereichen tun wir das. Gott ist ein moralisches Wesen, und wir sind es auch. Wir
haben anders als die Tiere einen inneren Sinn für Gut und Böse. Und wenn wir nach Gottes
moralischen Standards leben und handeln, dann spiegeln wir unsere Ebenbildlichkeit mit Ihm
wider. Wenn wir Liebe üben und nach Gerechtigkeit streben, dann zeigen wir etwas von
Gottes Wesen.
Auch bestehen wir Menschen nicht nur aus einem physischen Leib, sondern wir sind auch
Geist, wie Gott auch Geist ist. Darum kann Er mit uns in Beziehung treten, zu uns reden und
Gemeinschaft mit uns haben. Gott hält auch Seine Hand so über den Geist aller Menschen,
daß sie nicht sterben, wie auch Er selbst unsterblich ist.
Dann sind da auch die intellektuellen Aspekte. Wir können logisch denken und forschen. Wir
können schöpferisch wirken, wie es auch Gott getan hat. In all diesen Dingen unterscheiden
wir uns eindeutig von der übrigen Kreatur. Ja, wir sind nach Gottes Bild geschaffen. Welch
eine herausragende Stellung ist das! Darum hat Gott auch keinem anderen als nur dem
Menschen den Auftrag gegeben, über Seine Schöpfung zu herrschen.
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Der Sündenfall und die Ebenbildlichkeit
Nun lehrt uns die Bibel, daß es nach der Erschaffung des Menschen eines Tages eine
schreckliche Katastrophe gab. Das erste Menschenpaar wollte nicht mehr zur Ehre Gottes
leben und sich nicht mehr an Ihm erfreuen, sondern sie sündigten. Gott kann aufgrund Seiner
heiligen Natur natürlich nicht sündigen, denn Er ist heilig und rein.
Was geschah nun mit der Ebenbildlichkeit, als der Mensch sündigte. Gottes Wort erklärt uns
eindeutig, daß trotz des Sündenfalls von dem herrlichen Abbild Gottes im Menschen noch
etwas übriggeblieben ist. Vieles und Wesentliches ging verloren. Aber bis zum heutigen Tage
ist im Persönlichkeitsbild des Menschen noch so viel von Gott geblieben, daß es ihn immer
noch wesentlich vom Tier unterscheidet.
Das wird ganz deutlich bei Noah. Er bekam nach der Sintflut von Gott die Autorität,
folgenden Grundsatz aufzustellen: „Wer Menschenblut vergießt, dessen Blut soll auch durch
Menschen vergossen werden“ – ein Hinweis auf die Strafe mit dem Tod – „denn Gott hat den
Menschen zu seinem Bilde gemacht“ (1. Mose 9,6). Warum soll niemand Menschenblut
vergießen. Weil der Mensch nach wie vor von Gott angesehen wird als „nach Seinem Bilde
geschaffen“ und weil der Allmächtige immer noch Sein eigenes Gleichnis in ihm sieht. Das
bedeutet: Wenn ein Mensch einen anderen umbringt, ist das nicht nur ein Verbrechen am
Nächsten, sondern zugleich auch eine direkte Attacke gegen Gott, der ihn gemacht hat. Denn
jeder Mensch, einerlei wie tief er gefallen ist, trägt immer noch das Bild Gottes an sich.
Hier und nur hier liegt der Grund für die Würde des Menschen. Oft hört man ungläubige
Leute von der Würde des Menschen sprechen. Wie kommen sie eigentlich dazu. Wieso gibt
der Mensch sich selbst eine besondere Würde über alle andere Kreatur. Er ist doch nur einer
unter vielen. Er schlachtet Tiere, macht Versuche mit ihnen, quält sie, verarbeitet und
verspeist sie. Warum gibt der Mensch nur sich selbst eine Würde und nicht gleichermaßen
auch den Kühen und Schweinen. Warum dürfen sie nicht beanspruchen, was uns recht und
billig ist. Weil der Mensch sich edler fühlt. Weil er intelligenter ist. Weil das Recht des
Stärkeren bestimmt, wem Würde zu verleihen ist. Wie kommt ein erklärter Gottesgegner
denn dazu, sich wertvoller zu schätzen als alle anderen Lebewesen.
Weil eine gottlose Gesellschaft in der Tat keinerlei Begründung dafür hat, sich selbst eine
besondere Würde zu verleihen, darum hat das Gerede davon auch nur sehr wenig Wert.
Schließlich sehen wir doch jeden Tag, wie sehr sich der Mensch gegenseitig „würdigt“, indem
er lügt, betrügt, erpreßt, hintergeht, raubt, schlägt, vergewaltigt, mordet und Blut vergießt.
Eine sich selbst verliehene Würde hat den Menschen noch nie davon abgehalten, seinen
Nächsten zu schädigen und ihn kaputtzumachen.
Das wird erst anders, wenn wir verstehen, woher wir wirklich eine höhere Würde haben als
alle andere Kreatur. Erst wenn wir begreifen, daß in einem jeden Menschen das Bild Gottes zu
sehen ist, werden wir Respekt gewinnen und zurückschrecken, unserem Nächsten Böses zu
tun. Erst wenn wir erkennen, daß unser Gegenüber nach dem Bilde Gottes geschaffen ist,
werden wir ihn nicht mehr antasten.
Hier fängt die Bekämpfung von Rassismus an und nicht mit substanzlosen politischen Parolen
von der Würde des Menschen. Wer ausnahmslos in jedem Menschen, unabhängig von Rasse,
Geschlecht, Religion, Bildung oder Alter, das Siegel Gottes sieht, der wird Ehrfurcht vor
jedem menschlichem Leben haben – auch vor dem ungeborenen. Auch der kleinste Embryo
im Mutterleib hat eine unantastbare Menschenwürde, weil auch dieses kleine Wesen von
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Anfang an nach dem Bilde Gottes geschaffen ist. Das ist die Ethik der Heiligen Schrift. Das
ist die Würde, die der Mensch hat – nicht aus sich selbst, sondern gegeben und bestimmt von
seinem Schöpfer.
Aber nun müssen wir natürlich auch davon sprechen, inwiefern seit dem Sündenfall das
Ebenbild Gottes in uns gelitten hat. Es besteht zwar weiter, aber es ist entstellt, deformiert und
zerquetscht. Durch die Sünde haben wir unsere moralische Reinheit verloren, und wir
spiegeln nicht mehr Gottes heiligen Charakter wider. Unser Intellekt ist durch Falschheit
verdorben, und unsere Gedanken und Worte verherrlichen nicht mehr unseren Schöpfer.
Unsere Beziehungen sind korrupt geworden, sie werden bestimmt von unserem Egoismus und
nicht von Liebe und Selbstlosigkeit. Wir sind noch Ebenbild Gottes, aber wir haben es
verkehrt. Die Bibel sagt: „Gott hat den Menschen aufrichtig geschaffen; sie aber haben viele
Ränke gesucht“ (Prediger 7,29).
Und diese unsere sündigen Ränke haben auch unsere Beziehung zu unserem Schöpfer
zerstört. Unsere Sünde trennt uns von Ihm. Und wenn sie nicht aus dem Weg geschafft wird
und das Ebenbild Gottes in uns voll wiederhergestellt wird, bleiben wir von Ihm auf ewig
getrennt. Dann sind wir für immer verloren. Dann ist Verdammnis unser Teil. Das sagt uns
die Bibel ganz unmißverständlich. Wenn wir nicht wieder ganz und gar unserem Gott ähnlich
werden, gibt es keine Hoffnung – weder in diesem noch im zukünftigen Leben.
Wo die Erneuerung herkommt
Aber es gibt frohe Botschaft! Es gibt Hoffnung. Es gibt einen Weg zur Wiederherstellung des
gefallenen Menschen, zur Erneuerung des Ebenbildes Gottes in uns. Das bewerkstelligt unser
Vater im Himmel dadurch, daß Er Seinen geliebten Sohn Jesus Christus zu uns gesandt hat
und unsere Sünde mit ans Kreuz nahm. Dort erlitt Er stellvertretend Strafe und Gericht für
unsere Sünde. Aber Jesus hat allen Glaubenden nicht nur ihre Ungerechtigkeit abgenommen,
sondern im Gegenzug hat Er ihnen obendrein auch noch Seine Gerechtigkeit geschenkt. Das
ist der Status der Erlösten, derer, die von neuem geboren sind und die sich bekehrt haben.
Und von da an beginnt der Heilige Geist mit der Wiederherstellung des Ebenbildes Gottes.
Wie macht Er das. Er zeigt uns Jesus Christus, den reinen, sündlosen Menschensohn und
Gottessohn, denn Er entspricht ganz und gar dem Bilde Gottes, „Er ist der Abglanz seiner
Herrlichkeit“ (Hebräer 1,3). In niemandem ist das Bild Gottes so vollkommen und herrlich zu
sehen wie in Jesus.
Jesus ist das getreuste Ebenbild des Wesens Gottes. Es heißt z. B. von Ihm: „Welcher das
Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Kreatur“ (Kolosser 1,15). Ihn
hat Gott für uns zum Standard und zum Muster gemacht. Wenn wir werden wie Er, dann ist
das geschundene Ebenbild Gottes in uns wiederhergestellt und sogar auch auf ewig gesichert.
Aber wie können wir in dieses herrliche Bild Christi verwandelt werden.
Vor der Tür meines Neffen Pastor Markus Brandt in Kanada stand kürzlich ein fremder Mann.
Ohne zu grüßen fragte er frei heraus: „Kann sich ein Mensch selber ändern.“ „Niemals“, kam
es postwendend zurück. „Dann habe ich keine Hoffnung mehr“, rief der Fremde, und er
weinte bitterlich. Daraufhin sagte Markus erschrocken: „Kein Mensch kann sich selber
ändern, aber Gott kann es!“ Er nahm den Drogensüchtigen mit ins Haus und betete mit ihm.
Der Mann zog anschließend fröhlich seine Straße.
Niemand kann sich selber in das Bild Jesu hinein verändern. Das kann nur Gott. Und Er tut es
auch. Denn wir lesen: „Wir …werden umgewandelt in dasselbe Bild, von Herrlichkeit zu
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Herrlichkeit, nämlich von des Herrn Geist“ (2. Korinther 3,18). Nicht durch uns, sondern
durch den Geist des Herrn, vermittelt durch das Wort, geschieht es. Und dieses Werk wird
Gott an allen Seinen Kindern vollenden. Denn „die er ausersehen hat, die hat er auch
vorherbestimmt, daß sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der
Erstgeborene sei unter vielen Brüdern“ (Römer 8,29). Und Johannes sagt: „Wenn es offenbar
wird, werden wir ihm gleich sein“ (1. Johannes 3,2). Der Apostel Paulus schreibt außerdem:
„Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des
himmlischen“ (1. Korinther 15,49).
Ja, wir werden sein wie Jesus – so rein, so heilig, so gerecht, so voller Liebe, Geduld und
Sanftmut, ja auch voller Wahrheit und Gerechtigkeit wie Er. Das zerstörte Ebenbild Gottes
wird wiederhergestellt, und wir werden wohnen in Seiner Herrlichkeit für immer. Halleluja.
Hast du Sehnsucht, ein anderer Mensch zu werden, und du schaffst es nicht. Vertraue dich
Jesus an und Seinem wunderbaren Heiligen Geist. Gott wird durch diesen Seinen Geist dein
Herz und Leben verändern in das Bild Jesu und Gottes hinein, daß du hier in dieser Zeit und
auch in Ewigkeit dich wieder ungetrübt freuen kannst an dem Herrn, deinem Gott und deinem
Erlöser. Welch ein Heil, welch ein Glück ist der Rettungs- und Heilsplan des lebendigen
Gottes, verfaßt in der Bibel – ein Gruß vom Himmel, daß wir Hoffnung und ewiges Leben bei
Gott haben, weil unser geschundenes Ebenbild von Gott wiederhergestellt wird in Reinheit
und Herrlichkeit – mehr noch, als es jemals gewesen ist. In Jesu wunderbarem Namen. Amen!