TV- Sendung vom 09.03.2008 (Nr.773)
Mann und Frau – Ebenbild Gottes
Von Pastor Wolfgang Wegert ©
Predigttext: „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn;
männlich und weiblich schuf er sie.“ (1. Mose 1,27)
Wir sprechen heute weiter über den Menschen als das Ebenbild Gottes. Jeder Mensch trägt
das Bild Gottes in sich. Wir finden es in jedem Mann, in jeder Frau und in jedem Kind.
Nun macht unser Vers auf einen weiteren ganz wichtigen Aspekt der Ebenbildlichkeit
aufmerksam – nämlich daß Adam und Eva als Mann und Frau in ihrer Gemeinsamkeit das
Bild Gottes widerspiegeln, denn wir haben gelesen: „Zum Bilde Gottes schuf er ihn; männlich
und weiblich….“
Inwiefern vervollständigen erst beide, Mann und Frau gemeinsam, das Bild Gottes. Das
wollen wir uns jetzt anschauen.
Mann und Frau spiegeln die innergöttliche Gemeinschaft wider
Wir stoßen in der Bibel immer wieder auf das Geheimnis der Dreieinigkeit Gottes. Da ist der
Vater, der Sohn und der Heilige Geist, und die drei sind nicht drei Götter, sondern ein Gott.
Das ist wohl der Grund, warum Gott in der Schöpfungsgeschichte spricht: „Lasset uns
Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei“ (1. Mose 1,26).
Vater, Sohn und Heiliger Geist stehen für eine herrliche, innergöttliche Gemeinschaft, für
dauerhafte Liebe, Harmonie und Treue. Als Himmel und Erde noch nicht geschaffen waren
und auch die Engelwelt noch nicht existierte, bestand bereits diese tiefe, innige Beziehung
innerhalb der Trinität Gottes.
Und Gott schuf Mann und Frau und stiftete die Ehe als Schöpfungsordnung, weil sich in ihr
die heilige Gemeinschaft der Trinität Gottes abbilden sollte. Es gibt zwischen Menschen keine
innigere und tiefere Gemeinschaft als die zwischen Mann und Frau. Sie sind quasi zwei in
einem. Sie sind nicht nur ein Fleisch, sondern als Glaubende auch eins im Geist.
So wie die Beziehung zwischen Vater, Sohn und Heiliger Geist dauerhaft, ja ewig ist, ist auch
der Ehebund nicht für eine vorübergehende Zeitspanne gedacht, sondern auf Lebenslänge
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angelegt. Und so, wie die Einheit des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes felsenfest
und unzerstörbar ist, soll auch die Einheit in der Ehe unauflöslich sein. Weil in Gottes Wesen
absolute Treue ist, darum verkündet Er: „Ich hasse die Ehescheidung …darum hütet euch in
eurem Geist und seid nicht treulos!“ (Maleachi 2,16).
Der Vater steht treu zu Seinem Sohn, der Sohn steht treu zum Vater. Der Heilige Geist ist treu
in dem, was Vater und Sohn Ihm als Sendeauftrag gegeben haben. Somit macht Gott sich
selbst zum Vorbild, ja zum Wesen dessen, was wir als Menschen in unserem Mannsein und
Frausein, d. h. in unserer Ehe, abbilden dürfen und auch abbilden sollen.
Mann und Frau spiegeln die innergöttliche Gleichwertigkeit wider
Die Ehe entspricht auch deswegen dem Ebenbild Gottes, weil sie die Gleichwertigkeit der
göttlichen Personen in der Trinität widerspiegelt. So wie Vater, Sohn und Heiliger Geist
untereinander gleiche Wertigkeit, nämlich Göttlichkeit, besitzen, so sind auch Mann und Frau
gleichwertig geschaffen. Sie haben vor Gott gleiche Wichtigkeit, gleiche Bedeutung und
gleichen Wert, und darin reflektieren sie die Schönheit des göttlichen Charakters.
Mann und Frau sind gleichermaßen nach dem Bilde Gottes geschaffen. Deshalb ist jeder
Stolz, nach dem Motto: „Ich bin ein Mann“, fehl am Platz. Und jedes Gefühl der
Unterlegenheit, nach dem Motto: „Ich bin ja nur eine Frau“, ist ebenfalls überflüssig. Männer
sind nicht besser, wichtiger oder würdiger als Frauen und umgekehrt ebensowenig. Keines der
Geschlechter ist wertvoller oder geringer als das andere. Jeder Mensch – einerlei welchen
Geschlechtes – hat vor Gott die gleiche Wertigkeit und Würde. Dieser göttliche Grundsatz
zeichnet von Anfang an die Bibel aus – ganz im Gegensatz zu vielen anderen Kulturen und
Religionen.
Weil also Vater, Sohn und Heiliger Geist gleichen göttlichen Wert haben, darum wollte Gott
dieses Ideal der gleichen Würde auch in Seinem Ebenbild verankern. Das heißt, wenn wir als
Menschen tatsächlich unsere Ähnlichkeit mit Gott ausdrücken wollen, dann tun wir das,
indem wir Männer unsere Frauen würdigen, sie ehren und lieben und umgekehrt ebenso.
Paulus schreibt: „In dem Herrn ist weder die Frau etwas ohne den Mann noch der Mann
etwas ohne die Frau; denn wie die Frau von dem Mann, so kommt auch der Mann durch die
Frau; aber alles von Gott“ (1. Korinther 11,11-12). Daher auch der Aufruf der Bibel: „Einer
achte den anderen höher als sich selbst“ (Philipper 2,3).
Deshalb gibt es keinen Grund für Geschlechterkampf, keinen Machtkampf zwischen Mann
und Frau, aber es gibt Grund zur gegenseitigen Ehrerbietung. So wie Gott will, daß wir Vater,
Sohn und Heiligen Geist gleichermaßen ehren, so will Er, daß wir auch Mann und Frau
gleichermaßen als Gottes Ebenbild wertachten. Darum lautet die biblische Ermahnung an die
Männer: „Erweiset euren Frauen Ehre als solchen, die ebenfalls Miterben der Gnade des
Lebens sind“ (1. Petrus 3,7). Und umgekehrt: „Die Frau aber ehre den Mann“ (Epheser
5,33).
Daß Gott der Persönlichkeit von Mann und Frau die gleiche Wertschätzung beimißt, kommt
in vielen anderen Bibelworten zum Ausdruck. Denken wir nur an die Pfingstverheißung, in
der es heißt: „Eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, …und auf meine Knechte und
auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen
weissagen“ (Apostelgeschichte 2,17-18). Gott gibt sowohl Männern als auch Frauen Gaben
des Geistes zur Auferbauung der Gemeinde. Gott hat Seine herrlichen Charismen an die ganze
Gemeinde verteilt, an Männer und Frauen. Darum heißt es: „Ein jeder diene mit der Gabe, die
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er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes“ (1. Petrus 4,10).
Daraus geht selbstverständlich hervor, daß nicht jeder die gleichen Gaben hat, daß sie aber so
weit und breit verteilt sind, daß sowohl Männer und Frauen von Gott bedacht sind, Ihm als
Seine Kinder zu dienen. Paulus bringt diese Botschaft von Gottes Ebenbild, das sich in Mann
und Frau gleichermaßen manifestiert, mit den Worten auf den Punkt: „Hier ist nicht Jude
noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid
allesamt einer in Christus Jesus“ (Galater 3,28).
Welche Konsequenzen ziehen wir nun aus dieser Lehre. Eine Frau wird nicht gezüchtigt und
nicht geschlagen. Sie wird nicht herabgesetzt und nicht entwürdigt, und man entzieht ihr auch
nicht Bildung und Wissen. Nein, die Bibel sagt vielmehr in dem berühmten Lobpreis auf die
Frau in Sprüche 31: „Kraft und Würde ist ihr Gewand ….und freundliche Unterweisung ist
auf ihrer Zunge“ (V.25). Die Frau ist Ebenbild Gottes, und deshalb vergeht man sich nicht an
ihr und betrügt sie auch nicht, sondern man verehrt und liebt sie – und das in Treue, das ganze
Leben lang. Und umgekehrt begegnet die Frau ihrem Mann ebenfalls mit Ehrfurcht, sie ist
nicht falsch, listig und hinterhältig, sondern aufrichtig in ihrer lebenslangen Liebe und Treue.
Wer auf diesem Gebiet als Mann oder Frau versagt hat, darf sich zu Gott bekehren. Wenn wir
aneinander gesündigt haben und das Ebenbild Gottes verdorben haben, das wir auch als Mann
und Frau sein sollten, dann dürfen wir zu Jesus kommen und Ihn bitten, daß Er uns reinigen
möge durch Sein teures Blut.
Mann und Frau spiegeln die innergöttliche Verschiedenheit wider
Die Trinität spiegelt aber nicht nur ihre Gleichheit, sondern auch ihre Verschiedenheit wider.
Und die Beziehung von Mann und Frau soll auch in dieser Hinsicht, nämlich in der
Verschiedenheit ihrer Rollen, gelebt werden. Denn Mann und Frau sind zwar gleichwertig,
aber sie sind nicht gleichartig. Und genau darin ist uns die Trinität Gottes ein herrliches
Vorbild.
Vater, Sohn und Heiliger Geist sind absolut gleichwertig. Sie besitzen alle drei ohne
Unterschied Göttlichkeit. Und dennoch hat der Vater größere Autorität. Er hat die Leiterschaft
unter den Mitgliedern der Dreieinigkeit. In der Schöpfung spricht und befiehlt Gott, der Vater,
der Sohn führt aus, und der Heilige Geist begleitet es durch Seine erhaltende Gegenwart.
Paulus beschreibt das so: „So haben wir doch nur einen Gott, den Vater, von
dem alle Dinge
sind; und einen Herrn, Jesus Christus, durch
den alle Dinge sind“ (1. Korinther 8,6).
In der Erlösung haben wir das gleiche Prinzip. Der Vater sendet Seinen Sohn in die Welt. Der
Sohn gehorcht dem Vater und stirbt am Kreuz für unsere Sünden. Und dann senden der Vater
und der Sohn den Heiligen Geist, um das vollbrachte Erlösungswerk an den Herzen von
Menschen anzuwenden und sie zu Christus zu ziehen. Wir sehen nicht drei unterschiedliche
Wertigkeiten innerhalb der Gottheit, aber wir sehen drei verschiedene Rollen, die nicht
austauschbar sind.
Dieser Grundsatz kommt auch bei Mann und Frau zum Vorschein, wenn sie beide das
Ebenbild Gottes darstellen. Das betont die Bibel an vielen Stellen, z. B. sagt der Apostel
Paulus: „Ich lasse euch aber wissen, daß Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der
Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi“ (1. Korinther 11,3).
Gott, der Vater, ist das Haupt Christi. Dabei fühlt Jesus sich nicht minderwertig. Denn Er ist
Gott, ebenso wie der Vater Gott ist. Aber Er anerkennt die Leiterschaft des Vaters innerhalb
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der Gottheit. Das ist die göttliche Ordnung. Und wenn wir Ebenbild Gottes sind, dann kommt
diese Ordnung auch in unserer Ehe zum Ausdruck. Dabei gibt es kein Problem mit der
biblischen Aussage, daß der Mann das Haupt der Frau ist. Ebensowenig wie die Unterordnung
Christi unter den Vater eine herabsetzende Zweitklassigkeit bedeutet, so ist auch die Stellung
der Frau innerhalb der Ehe niemals als Deklassierung oder Erniedrigung anzusehen. Mann
und Frau haben lediglich verschiedene Aufgaben. Wegen der unterschiedlichen Rollen, die
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist innehaben, kommt es niemals zu Spannungen in der
Gottheit. Nein, da ist Friede, Harmonie, Liebe und unzerstörbare Einheit. Und so dürfen wir
auch in unserer Ehe in unserer Gleichwertigkeit, aber auch in unserer Unterschiedlichkeit und
Berufung, die Gott uns als Mann und als Frau gegeben hat, Ihn verherrlichen. In Jesu Namen.
Amen.